COVID-19 als Beschleuniger der Digitalisierung?

Bei aller Komplexität und Unsicherheit, die eine digitale Transformation mit sich bringt, wird im Auge der aktuellen COVID-19 Krise klar, dass führende Unternehmen nicht den Status quo ante anstreben, sondern den Umbruch für massive strukturelle Veränderungen nutzen. Nicht überraschend, fühlen sich doch Unternehmen mit fortgeschrittenem digitalen Reifegrad – digitale Champions – besser vorbereitet als diejenigen, die als digitale Follower noch ganz am Anfang stehen. Welche Maßnahmen können diese zur kurz- bis mittelfristigen Beschleunigung der Digitalisierung ergreifen?

Werden die Karten in der Krise neu gemischt?

Basierend auf dem von Deloitte entwickelten Digital Maturity Index wurden erneut 200 deutsche Unternehmen befragt, wodurch analysiert werden konnte, inwieweit der digitale Reifegrad eines Unternehmens und die Fähigkeit, flexibel auf Krisensituation zu reagieren, zusammenhängen. Der Crisis-Response-Index beschreibt somit das Verhältnis von kurz- und mittelfristigen im Vergleich zu langfristigen, strukturellen Maßnahmen.  

Die Daten zeigen, dass digital reife Unternehmen in der Lage sind, überdurchschnittlich flexibel auf die Krise zu reagieren. Sie tendieren dabei deutlich zu mittel- und eher langfristigen Maßnahmen, was sie dazu befähigt, auch zukünftig im vorderen Wettbewerbsfeld bestehen zu können. Erwartungsgemäß reagieren die Konsumgüter- und die Dienstleistungsindustrie eher flexibel. Für kapitalinvestive Industrien wie Automotive und Chemicals sind strukturelle Maßnahmen jedoch eine Herausforderung. Dennoch zeigt sich besonders im Automotive Umfeld ein Fokus auf kurz- und langfristige Maßnahmen z.B. Kostenreduzierung vs. Technologieinvestitionen. 

Es zeichnet sich ab, dass die aktuelle Krise nur jenen Unternehmen einen Vorteil bietet, die auch bislang konsequent in ihre digitale Transformation investiert und die dafür notwendigen Maßnahmen getroffen haben.

Wer bisher nicht richtig mitgezogen hat, läuft Gefahr, weiter abgehängt zu werden.  Reife Unternehmen agieren entschlossen und mit einem sehr klaren Fokus auf mittel- und langfristigen Themen, um ihren Wettbewerbsvorteil nicht zu verspielen:

Kurzfristige Maßnahmen

  • Kostensenkung (Fokus Material- und Personalkosten
  • Lieferantenverbindlichkeiten 
  • Make vs. Buy

Mittelfristige Maßnahmen

  • Offene Unternehmenskultur
  • Bereinigung bzw. Erweiterung des Kundenportfolios

Langfristige Maßnahmen

  • Digitale Lieferketten
  • Digitale Kostensenkung
  • Digitaler Vertrieb                                                                  

Digitalisierung als Covid-19 Exit-Strategie?

Spitze Zungen behaupten, dass es auch aus dieser Krise keinen wesentlich ‚Lerneffekt‘ geben wird. Allerdings geben knapp 77% aller befragten Unternehmen an, mittelfristige Maßnahmen weiter zu verfolgen und/ oder strukturelle Veränderungen anzustoßen. Vor allem die Automobilindustrie sticht hier im Vergleich zu anderen mit Investitionen in digitalen Vertrieb, neue Geschäftsmodelle, digitale Lieferketten und digitale Technologien, die ein End-to-end-Denken befähigen, hervor.


Die Botschaft dahinter ist klar: Die führenden Unternehmen planen für die Zeit nach der Krise und ruhen sich nicht auf dem Wissen aus, dass diese einige Wettbewerber vom Markt verdrängen wird. In dieser Botschaft steckt eine Chance und zugleich eine Warnung für die Unternehmen, die bislang noch nicht ihre Digitalisierung priorisiert haben. Es ist nun an ihnen, auf die bereits beschrittenen Wege der digitalen Pioniere einzuschwenken, um weitere finanzielle Nachteile zu vermeiden. 


Jetzt von den Erfolgreichen Lernen – für Nachzügler liegen die sechs Non-Regret Moves zur kurz- bis mittelfristigen Beschleunigung der Digitalisierung auf der Hand: 

  • Agiles Steuerungsmodell: Schaffung transformatorischer Voraussetzungen (Roadmap, Business Case) – ohne sich in langwieriger Strategie zu verzetteln 
  • Digitale Geschäftsprozesse: Fokus auf Digitalisierung von Wertschöpfungsprozessen mit Gesamtblick Richtung Kunden- und Lieferantenschnittstelle und Aftersales zum Aufbau einer digitalen Lieferkette 
  • Data Mastery: Vorschub bei Datennutzung zur Verbesserung der Produktqualität und Erhöhung des Kundennutzen 
  • Tech-Fitness: Aufbau von Fähigkeiten zur frühzeitigen Identifikation neuer Technologien 
  • Kollaboration: Verstärkte Nutzung von Partnernetzwerken auch im Kerngeschäft 
  • Digitales Portfolio: Erweiterung Produkt-, Service und Kundenportfolios

Der Handlungsdruck, aber damit auch die Veränderungsbereitschaft, zeigen sich in der aktuellen Situation mehr als deutlich und lösen letzte Zweifel auf, dass dringend etwas getan werden muss. 


Wir von FinComm unterstützen Unternehmen auf ihrem Weg durch die digitale Transformation – von der Strategie bis zur Umsetzung, um heute schon die Weichen für die Zeit nach der Krise zu stellen. Setzen sie sich mit unseren Experten in Verbindung.

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